ARTIKEL |
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über Neues Geistliches Lied |
| Bleib für immer bei uns. | Uralte biblische Bilder | In Dieser Einen Nacht | Zeit Zur Aussaat |
| Im Angesicht der Nacht | Im Angesicht.... Noten | Liturgisches Institut |
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Der Düsseldorfer Kirchenmusiker Christof Lehmann hat vor allem in den siebziger und achtziger Jahren neue geistliche Lieder komponiert, die noch heute in vielen Gemeinden gesungen werden. Der Bezirkskantor Leo Langer beschreibt im folgenden Text das Lied: "Bleib". Eine Bitte um Sensibilität für die Not Welt und der Menschen. |
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Die
evangelische Thomaskirche in Düsseldorf stand in den sechziger- und
siebziger Jahren für einen sehr avancierten Umgang mit Musik und Kultur:
ein eingebautes Tonstudio, Teppichboden und Flügel im Kirchenraum, ein
munteres Durch- und Miteinander von Musik aller Zeiten und Richtungen,
einschließlich neuester Produktionen des damaligen Haus-Kirchenmusikers
Christoph Lehmann, sowie des Pfarrers Uwe Seidel. Schließlich mündete
dies in die Gründung eines Verlages, der insbesondere die Herausgabe von
Noten, Texten und Tonträgern zum Neuen Geistlichen Lied im Angebot haben
sollte und dies bis heute in qualitätsvoller Weise fortsetzen konnte. Im
Umfeld der lebendigen Gemeindearbeit, die auch weit in die Region
ausstrahlte, entstanden so bekannte Lieder wie „Ich lobe meinen Gott,
der aus der Tiefe mich holt“, welches seit langem als Glorialied bei
Jugend- und Familienmessen seinen angestammten Platz hat. Mit
seiner eigentümlich überraschenden, aber letztlich logischen Harmonik,
besonders aber einem typisch leichten, geschwinden Melodieduktus hat
Lehmann die meisten seiner Lieder unverwechselbar gemacht. Man muss
wissen, dass dieser Kirchenmusiker, gleichzeitig auch als Pianist beim Düsseldorfer
Schauspielhaus Bühnenmusiker, sowie ein gefragter Cembalist und Organist
in der Barockmusik-Szene, als Wanderer zwischen den Welten sich einen sehr
freien Blick auf die musikalische Gemeindepraxis bewahrt hat. Dies mag
auch durch seine Biographie beeinflusst gewesen sein: als Sohn eines
evangelischen Pastors, der Gemeinden in China, Ostfriesland, Südafrika
und Berlin betreute, erlebte er ebenso viele Kulturen aus der Perspektive
des Kindes und des Jugendlichen. Auch heute noch, nachdem er die direkte
Arbeit mit dem Jugendchor und am Neuen Geistlichen Lied, als Referent und
Mitwirkender bei Kirchentagen im Wesentlichen eingestellt hat, verleugnet
er diese Seite seines Schaffens keineswegs. Das vorliegende Lied ist eine in knappen Worten gefasste Bitte um Sensibilität für die Not der Welt und der Menschen, um Glauben, Hoffnung und Frieden: das wichtigste Wort ist „Bleib!“ – anklingend an das Bibelwort aus der Emmaus - |
Geschichte:
„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!“. Die
Komposition unterstützt diese Bitte durch mehrfache, von Pausen
unterbrochene Anläufe: „bleib bei uns ... sei bei uns ...
in unsrer Mitte bleib!“ mit ansteigenden Achtelnoten,
wahrscheinlich beim Singen und Spielen am besten in einem leichten Swing
zu rhythmisieren. Beim letzten Wort „bleib!“ schließlich hält die
Schlussnote über vier Takte auf dem bislang höchsten Ton h aus, während
die Akkorde des Klaviers und die chorischen Begleitstimmen kadenzfierend
Takt für Takt weitergehen: „bleib für immer bei uns!“ soll das heißen.
Durch diese Verlängerung des Schlusstones entsteht auch metrisch ein
interessantes Gebilde, denn die zweite Phrase des Kehrverses bekommt eine
Überlänge von 7 Takten, was die Intensität der Bitte steigert. Aber
auch bei diesem Lied eröffnet erst ein Blick auf die Harmonik die ganze
Originalität der Komposition: der enge dreistimmige Satz mit einer
hochliegenden Männer- und zwei tiefen Frauenstimmen ist keineswegs
einfach zu singen; er legt in wenigen Takten harmonisch weite Wege von
c-moll nach E-Dur mit hinzugefügter Sexte zurück, nahezu jeder Akkord
enthält große und kleine Septimen und die Strophe für den (die)
Solist(in) beginnt dann überraschend in a-moll, um über B- und As-Dur
zur Molldominante von c-moll und damit zum Kehrvers zurückzuführen. Die
dritte Strophe, die in der gezeigten handschriftlichen Fassung vom
Komponisten noch fehlt, zeigt den Ort im Gottesdienst an, wo das Lied
seinen Platz hat: nach dem Vater unser, zum Friedensgruß. „Höre
unsre Bitte, schenk uns deinen Geist. Lenke
unsre Schritte zum Weg, der Frieden heißt“. Die
gedruckte Klavierstimme und eine weitere Chorbearbeitung sind erhältlich
beim tvd-Verlag, Parkstr. 20, 40477 Düsseldorf. Hier gibt es das Lied im PDF-Format |
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STARKE, URALTE BIBLISCHE BILDER. Über ein einhalb Jahre liegt nun schon der Jahreswechsel zurück, der auch ein Jahrhundertwechsel war, Neujahr 2000. Um diese Zeit entstand die vorliegende Melodie zum Gedicht „Der du die Zeit in Händen hast“ des unglücklichen Jochen Klepper. Der seinerseits schrieb seinen Text in der schwersten Zeit des letzten Jahrhunderts, als der Ungeist nationalistischer Verblendung nicht nur seine kleine Familie wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau, sondern ganze Völker mit Tod und Ausrottung bedrohte. |
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Klepper, dessen schriftstellerische Begabung im Schaffen großer
Romanwerke gegipfelt hatte, war durch seinen Verzicht auf die Emigration,
sein Ausharren in Deutschland in diesen finsteren Zeiten, auch in seinem
Schreiben immer mehr eingeschränkt worden: schließlich blieb ihm –
nahezu bis zuletzt, bis zu seinem Freitod im Augenblick höchster Gefahr
an Weihnachten 1942 – fast nur noch die Dichtung geistlicher,
kirchlicher Lieder, darunter viele mit adventlich-weihnachtlichem Inhalt
wie „Die Nacht ist vorgedrungen“ (Gotteslob Nr. 111).
„Anfang, Ziel und Mitte im Fluge der Zeiten“, das war ihm als
tiefgläubigen evangelischen Christen der Herr Jesus, im Lied der
„Ewige“ genannt, der Vollender, durch dessen Zorn wir alle
„hinfahren“; „und doch strömt deiner Gnade Born in unsre leeren Hände“.
Starke, uralte biblische Bilder, wie das von menschlichem Leben, das „im
Winde treibt“, oder das von „dieses Jahres (1938) Last“, die der
Herr in Segen verwandeln möge: „Bleib du uns gnädig zugewandt, und führe
uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten“ – Solche Dichtung war
die Waffe, mit der Jochen Klepper sich im aussichtslosen Kampf gegen die
reale Bedrohung zu wehren trachtete. Seine Ehrlichkeit und seine
Ehrenhaftigkeit bis zuletzt sind uns Mahnung und Weisung, auch ein wenig
Grund, dennoch stolz auf unser Land zu sein, das Menschen solcher Art wie
ihn, aber auch Dietrich Bonhoeffer, Edith Stein und andere hervorgebracht,
die es gewagt haben, ihre Träume gegen alle Mächte der Finsternis
weiterzuträumen.
Der Komponist unseres Liedes, Jochen Schwab, ist nicht der einzige,
dem – gerade um die Jahreswende 2000 – das Gedicht von Jochen Klepper
im Kopf herumging. Schon früher
ist der Text seiner ursprünglichen Intention, ein Lied zu werden, zugeführt
worden, unter anderem durch Siegfried Reda, der 1960 eine Melodie dazu
schrieb; sie steht im evangelischen Gesangbuch. Die hier mitgeteilte neue Vertonung scheint mir deshalb besonders gelungen zu sein, weil sie gleich auf mehreren Ebenen dem Text durch musikalische Mittel gerecht zu |
werden
versucht. Beide Hälften des Liedes beginnen mit relativ lebendigen
Rhythmen, um dann in einer ruhigen Viertelbewegung auszuschwingen; der
melodische Duktus passt sich dem an, indem die anfangs heftigeren Pendelschläge gegen Ende jeder Phrase in
flacher werdenden Linien verebben. Das entspricht der im Gedicht zu
beobachtenden Anlage: Zu Beginn der Halbzeile wird oftmals eine
menschliche Aktivität in ihrer Fragwürdigkeit aufgerufen, zu der Gott
seine Hilfe, seinen Segen geben möge; mit dieser Bitte schließt dann die
Zeile: „Da alles, was der Mensch beginnt, vor seinen Augen noch
verrinnt, sei du selbst der Vollender“ (2.Str.).
Das Weiterbauen Gottes an unserem Stückwerk, seine Ewigkeit,
findet ihren Niederschlag in einem Kunstgriff: die Melodie wird nach dem
Ende des Textes – dies ist jeweils nach sieben Takten der Fall – noch
durch einen Summchor weiter- und zu Ende geführt und erst damit
kadenzierend abgeschlossen. So entsteht der Eindruck, dass die Liedzeile
fristgerecht, also metrisch richtig abgeschlossen ist, gleichzeitig aber
offen endet; der Text geht gewissermaßen nicht bis zum Schluss mit,
sondern lässt noch Raum für die träumerische „Vollendung“, die der
Herr in seinem Segen geben möge.
Die Harmonik des Chorsatzes, schwebend zwischen F-Dur und d-moll,
beginnt jedes mal mit einem instabilen Quartsextakkord, um sich, gleich
nach dessen Auflösung, über einer diatonisch absteigenden Baßlinie zur
Kadenz weiterzubewegen, die aber immer erst in dem gesummten, textlosen
Abschluss zur Ruhe kommt, beim ersten Mal in F-Dur, am Schluss dann im
„feierlicheren“ d-moll.
Die Alla-breve-Vorzeichnung darf nicht so verstanden werden, als
gelte es, ein schnelles Tempo anzuschlagen; vielmehr bleibt das Lied trotz
dem sehr langsamen Halbetakt immer in einem meditativen,
ruhig-nachdenklichen Gestus. Hier gibt es das Lied im PDF-Format |
| Liturgisches Institut Trier: www.liturgie.de |
webmaster h.opp September 2005